Friedrich Funder Institut

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Bericht vom FFI-Symposium am 18.11.2019 in Wien

Mit Medienkompetenz gegen die Emokratie
Claus Reitan

Das Wahljahr 2019 hat es gezeigt: Österreich ist auf dem Weg in die Emokratie, also eine von Emotionen bestimmte öffentlichen Debatte. Das war die zentrale These des Politikberaters – und ehemaligen Journalisten – Thomas Hofer in seiner Analyse der politischen und medialen Kommunikation des Wahlkampfes. Die Journalisten seien weniger die Urheber dieser Entwicklung, die Ursachen dafür lägen vielmehr in den Medienmechanismen und Bedingungen des digitalen Zeitalters, erläuterte Hofer vor dem Symposium des Friedrich Funder Instituts zum Wochenauftakt im Presseclub Concordia in Wien.

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FFI-Präsident Gerald Grünberger

Die Vielzahl der TV-Duelle und Diskussionen der Spitzenkandidaten hätten zu Verdichtung und Beschleunigung, folglich einem „medialen Dauerton“ in der Öffentlichkeit geführt. Ständig erfolgten „neue Zuspitzungen“ und eine „Beschleunigung“. Die Medien unterlägen einem „Originalitätszwang“, was zusammengenommen eine „Eskalationsspirale“ in Gang setze, die letztlich „uns alle überfordert“. Die „Grenzüberschreitungen“ im Wahlkampf, etwa Hacks und Leaks, seien „die Vorboten dessen, was wir noch sehen werden“, meinte Hofer. Unsere Gesellschaft sei jedenfalls den Möglichkeiten „des Zeitalters der Bewegtbild-Manipulation durch deep fakes nicht gewachsen“. Die – technisch – neuen Plattformen mitsamt social media-Kanälen dürften jedenfalls nicht den Journalismus „aushebeln“, dessen klassische Tugenden „mit Selbstbewusstsein“ gepflegt und geschätzt werden sollen.

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v.l.n.r.: Thomas Hofer, Petra Stuiber, Claus Reitan, Elisabeth Totzauer, Walter Hämmerle

Wie das im Sinne liberaler Demokratie gelingen kann? Durch Erläuterung der politischen und kommunikativen Vorgänge, wie Petra Stuiber, stellvertretende Chefredakteurin des Standard, meinte. Also laut Walter Hämmerle, Chefredakteur der Wiener Zeitung, durch unabhängigen und glaubwürdigen Erklärjournalismus. Und die Channelmanagerin von ORF1, Elisabeth Totzauer, empfiehlt Journalisten „die Konzentration auf das Kerngeschäft“, nämlich für die Berichterstattung aus den Redaktionen „rauszugehen und zuzuhören“, denn „wenn wir das nicht schaffen, werden wir die Menschen verlieren, als Medien und als Gesellschaft“. Diese bräuchten ihrerseits deutlich mehr an Medienkompetenz, also Fertigkeiten, medial vermittelte Manipulationen zu erkennen und demgegenüber Qualität zu schätzen. Medienkompetenz sollte etwa für Lehrer angeboten und dann an Schulen vermittelt werden, um dem von Hofer genannten „medialen Analphabetismus“ zu entgehen, der nichts mehr zu unterscheiden vermöge und zur „Emokratie“ führe: Die Algorithmen, also die Programme, der Social Media Kanäle, „belohnen emotionale Erregung und nicht rationale Abwägung“, wie Stuiber anmerkte.

Erstveröffentlichung Wiener Zeitung, 20.11.2019.
Fotos © Alfred Nechvatal




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