Friedrich Funder Institut

Veranstaltungsarchiv

9. FFI-Symposium

Mit Medienkompetenz gegen die Emokratie

Claus Reitan

Das Wahljahr 2019 hat es gezeigt: Österreich ist auf dem Weg in die Emokratie,
also eine von Emotionen bestimmte öffentlichen Debatte.
Das war die zentrale These des Politikberaters – und ehemaligen Journalisten –
Thomas Hofer in seiner Analyse der politischen und medialen Kommunikation des
Wahlkampfes. Die Journalisten seien weniger die Urheber dieser Entwicklung, die
Ursachen dafür lägen vielmehr in den Medienmechanismen und Bedingungen des
digitalen Zeitalters, erläuterte Hofer vor dem Symposium des Friedrich Funder Instituts
zum Wochenauftakt im Presseclub Concordia in Wien.

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FFI-Präsident Gerald Grünberger

Die Vielzahl der TV-Duelle und Diskussionen der Spitzenkandidaten hätten zu Verdichtung
und Beschleunigung, folglich einem „medialen Dauerton“ in der Öffentlichkeit geführt.
Ständig erfolgten „neue Zuspitzungen“ und eine „Beschleunigung“. Die Medien unterlägen
einem „Originalitätszwang“, was zusammengenommen eine „Eskalationsspirale“ in Gang setze,
die letztlich „uns alle überfordert“. Die „Grenzüberschreitungen“ im Wahlkampf, etwa Hacks und
Leaks, seien „die Vorboten dessen, was wir noch sehen werden“, meinte Hofer. Unsere Gesellschaft
sei jedenfalls den Möglichkeiten „des Zeitalters der Bewegtbild-Manipulation durch deep fakes
nicht gewachsen“. Die – technisch – neuen Plattformen mitsamt social media-Kanälen dürften
jedenfalls nicht den Journalismus „aushebeln“, dessen klassische Tugenden „mit Selbstbewusstsein“
gepflegt und geschätzt werden sollen.

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v.l.n.r.: Thomas Hofer, Petra Stuiber, Claus Reitan, Elisabeth Totzauer, Walter Hämmerle

Wie das im Sinne liberaler Demokratie gelingen kann? Durch Erläuterung der politischen und
kommunikativen Vorgänge, wie Petra Stuiber, stellvertretende Chefredakteurin des Standard, meinte.
Also laut Walter Hämmerle, Chefredakteur der Wiener Zeitung, durch unabhängigen und glaubwürdigen
Erklärjournalismus. Und die Channelmanagerin von ORF1, Elisabeth Totzauer, empfiehlt Journalisten
„die Konzentration auf das Kerngeschäft“, nämlich für die Berichterstattung aus den Redaktionen
„rauszugehen und zuzuhören“, denn „wenn wir das nicht schaffen, werden wir die Menschen verlieren,
als Medien und als Gesellschaft“. Diese bräuchten ihrerseits deutlich mehr an Medienkompetenz,
also Fertigkeiten, medial vermittelte Manipulationen zu erkennen und demgegenüber Qualität zu schätzen.
Medienkompetenz sollte etwa für Lehrer angeboten und dann an Schulen vermittelt werden, um dem
von Hofer genannten „medialen Analphabetismus“ zu entgehen, der nichts mehr zu unterscheiden
vermöge und zur „Emokratie“ führe: Die Algorithmen, also die Programme, der Social Media Kanäle,
„belohnen emotionale Erregung und nicht rationale Abwägung“, wie Stuiber anmerkte.

Erstveröffentlichung Wiener Zeitung, 20.11.2019.
Fotos © Alfred Nechvatal




h3. „Digitale Transformation der Medienarena und Strukturwandel der Öffentlichkeit“

Das jährliche Symposium des Friedrich Funder Instituts (FFI) diskutiert die aktuellen
und relevanten Entwicklungen in Medien, Journalismus und politischer Kommunikation.
Vor dem Hintergrund des Wahljahres 2019 und der weiteren Entwicklung der politischen
Kommunikation in Österreich lenkt das Symposium 2019 den Blick unter anderem auf folgende Aspekte:

• Der Umbruch im Medienwesen setzt die politische Kommunikation neu auf – mit welchen Chancen und welchen Risiken für die Qualität von Information und Nachrichten, für die Meinungsbildung der Wählerinnen und Wähler?

• Wie kann Demokratie gelingen, in der Entscheidungen auf Fakten und Wissen beruhen sollen, wenn Fake Accounts und Algorithmen in der politischen Kommunikation mitmischen?

• Die digitale Transformation der Medienarena beschleunigt den Strukturwandel der Öffentlichkeit – lösen die Plattformen die Parlamente als Foren ab?

Wann: Montag, 18.November 2019, 18.30 Uhr

Wo: Presseclub Concordia, Bankgasse 8, 1010 Wien

Keynote:

• Dr. Thomas Hofer, Politikberater

Podium

• Mag. Elisabeth Totzauer, Channel Managerin ORF 1
• Dr. Walter Hämmerle, Chefredakteur Wiener Zeitung
• Mag. Petra Stuiber, stellvertretende Chefredakteurin bei DER STANDARD

In Kooperation mit dem Presseclub Concordia.

7. FFI-Symposium:

„Politik und Medien nach der Wahl. Eine Bestandsaufnahme.”

Wann: Montag, 16.Oktober 2017, 18.00 Uhr

Wo: IV, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien, Ludwig Urban/Spiegelsaal

Einen Tag nach der Nationalratswahl und ein Jahr nach dem Brexit und den
Präsidentschaftswahlen in den USA haben sich Politikanalysten, Leitmedien,
die Meinungsforschung und die veröffentlichte Meinung gleichermaßen blamiert.

Geht die Ära der Meinungsforschung und der sachlichen politischen Debatte tatsächlich
zu Ende und beginnt nun das postfaktische Zeitalter der Postdemokratie?

Sind Inszenierungen wichtiger als Inhalte? Sollten Meinungsumfragen
während einer NR-Wahl verboten werden?
Entscheidet Affektmanagement über Erfolg und Misserfolge beim Wähler?
Brauchen Medien und Sozialwissenschaften ein neues Instrumentarium,
um ein wirklichkeitsgetreues Abbild der Realität zeichnen zu können?
Welche Lehren kann und soll Österreich aus den jüngsten nationalen
und globalen Enwicklungen ziehen?

Panel I Politikberichterstattung:
• Rainer Nowak, Die Presse
• Eva Weissenberger, Journalistin
• Andreas Koller, Salzburger Nachrichten

Panel II Markt- und Meinungsforschung:
• Dieter Zirnig, neuwal
• Paul Eiselberg, IMAS
• Paul Unterhuber, GfK

Moderation: Claus Reitan, Journalist

6. FFI Symposium

„Die Roboter kommen. Wie die Digitalisierung alles verändert“

Wann: 10. Oktober 2016, 18:00 Uhr

Wo: IV, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien, Ludwig Urban/Spiegelsaal

Die vierte industrielle Revolution bringt das Internet der Dinge und dieses wird
unsere Arbeitswelt umgestalten. Die Roboterisierung der Arbeitswelt wird nicht
nur die Produktion, sondern auch die Medienlandschaft grundlegend verändern.
Daher müssen wir uns grundlegende Fragen stellen:
Welche Arbeitsplätze wird es in zwanzig Jahren noch?
Wie verändert das Internet der Dinge unseren Alltag und unseren Medienkonsum?
Welche Kulturtechniken müssen Schulen und Medien vermitteln, um nicht
den Anschluss ans digitale Zeitalter zu verlieren?
Was kann die vorausschauende Industrie- und Medienpolitik machen,
damit die Gewinner dieser Entwicklung auch in Europa einen Arbeitsplatz
haben und nicht nur im Silicon Valley?

Keynote: Prof. Dirk Helbing, ETH Zürich – Was bleibt übrig nach der digitalen Revolution

Diskussion:

Dr. Horst Pirker, VGN
Saim Alkan, aexea GmbH
Dr. Margit Schratzenstaller, WIFO
Andreas Weinberger, Uber-Österreich

Moderation: Mag. Peter Schiefer, Das Kommunikationshaus Bad Aussee

Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos.

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5. FFI Symposium

„Die Folgen der Digitalisierung für die Gesellschaft“

Wann: Montag, 12.Oktober 2015, 19:00 Uhr

Ort: IV, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien, Ludwig Urban/Spiegelsaal

Die Digitalisierung der Gesellschaft nimmt Fahrt auf:
Manche Leistungen im Netz bezahlen Nutzer ganz selbstverständlich
alleine mit ihren Daten, mit dem Ausspähen von Kunden und Bürgern
haben sich viele abgefunden, die Erlösmodelle zahlreicher Branchen geraten ins
Wanken. Die zentrale Fragen lauten: Welche Folgen hat eine digitalisierte Gesellschaft
für den einzelnen Bürger? Bestimmen künftig die Algorithmen die Meinungsbildung?

Keynote: Thomas Jarzombek , Mitglied des Bundestags,
Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion für
Digitale Agenda und Vorsitzender der CDU Düsseldorf

Diskussion:

• Mag. Ingrid Brodnig, „profil“
• Dr. Rudi Klausnitzer, Autor und Berater DMC Group
• Eugen Russ, Geschäftsführer Russmedia
• Mag. DDr. Julia Wippersberg, Privatdoz., Vizestudienpräses der Universität Wien, Senior Lecturer
• Thomas Jarzombek , Mitglied des Bundestags

Moderation: Mag. Lisa Stadler, „Der Standard“, Social Media Managerin

Symposium 2014

4. Symposium des Friedrich Funder Instituts

Rudeljournalismus, Schwarmintelligenz und Herrschaft des Affekts.

Donnerstag, 09. Oktober 2014, 18:00 – 20:30 Uhr
Forum Mozartplatz, Mozartgasse 4, A-1041 Wien

Die behauptete Schwarmintelligenz hat – bedingt durch die Aufmerksamkeitsökonomie – zu einer
vermehrten Rudelbildung in der Berichterstattung geführt.
Meinungspluralismus und Standpunkte abseits des
Mainstreams werden seltener, der Ton gereizter.
In Foren und in Sozialen Medien sind Sprachverrohung,
Affektpostings und eine permanent aggressive Grundstimmung
eher Regel als Ausnahme. Woher kommt die Sehnsucht, ständig
„neue Säue durchs mediale Dorf“ zu treiben?

Programmablauf:

Tagungsmoderation: Präsident Mag. Gerald Grünberger

18.00 bis 18.30 Uhr Prof. Dr. Wolfgang Schweiger (Universität Hohenheim)

Social Media und Rudeljournalismus

18.30 bis 19.00 Uhr Dr. Axel Maireder (Universität Wien)

Themenkonjunkturen in Social Media

19.15 bis 20.30 Uhr

Podiumsdikussion:

*Pöbeleien statt Meinungsaustausch. Wie kann die Qualität des
öffentlichen Diskurses gesteigert werden?*

Podium:

CR Eva Weissenberger, Kleine Zeitung Klagenfurt
Thomas Weber, Herausgeber The Gap
Ingrid Brodnig, Ressortleiterin Medien Falter
CR Dr. Helmut Brandstätter, Kurier
CR Dr. Christian Rainer, Profil

Moderation: stv. CR Johannes Bruckenberger, APA

Sprache in Politik, Wirtschaft und Medien

Freitag, 16. September 2011
Seminarhotel Springer Schlößl, Tivoligasse 73, 1120 Wien

Programm:

9.30 Uhr bis 9.45 Uhr:
Eröffnung und Einführung ins Thema:
Prof. Werner Mück (Präsident Friedrich Funder Institut)

11.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Agenda Setting in der Poliitk
Kontinuität und Wandel in der österreichischen Wahlkampfkommunikation 1966-2006“
Langzeitstudie Dr. Gabriele Melischek (ÖAW)

12.00 Uhr bis 13.00 Uhr:
Politische und gesellschaftliche Einstellungen von Journalisten
Kluft zwischen veröffentlichter Meinung und Meinung der schweigenden Mehrheit
Prof. Matthias Karmasin (Universität Klagenfurt)

13.00 Uhr bis 14.30 Uhr:
Mittagspause

14.30 – 15.00 Uhr
Impulsreferat:
Re-wording der Bundesforste
Mag. Bernhard Schragl

15.15 Uhr bis 16.30 Uhr:
Panel „Trends Wirtschaftskommunikation“
mit
Mag. Peter Schiefer (Pressesprecher der IV),
Michael Mauritz (Erste Group)
Christian Lenhardt (Menedetter PR)
Mag. Nikola Donig (Head of Communication, Hypo Alpe Adria)
Thomas Weber (Monopol Verlag)
Moderation: Milan Frühbauer

16.45 Uhr bis 18.00 Uhr:
Panel „Trends politische Kommunikation“:
mit
Stefan Wallner (Bundesgeschäftsführer Grüne)
Herbert Kickl (Generalsekretär FPÖ)
Christian Ebner (Generalsekretär BZÖ)
Johannes Rauch (Generalsekretär ÖVP)
Laura Rudas (Bundesgeschäftsführerin SPÖ)
Moderation: Gerhard Jelinek (ORF)

Ab 19.30 Uhr:
Abendveranstaltung
*Vom Coachingsprech zur verständlichen Sprache? Welche Sprache brauchen
Journalisten für ihre Arbeit? Welche Sprache und Ausdrücke will der Leser?*
Podium:
Claus Reitan (CR Die Furche),
Herbert Lackner (CR Profil),
Edgar Schütz (APA),
Eva Weissenberger (Kleine Zeitung),
Stefan Kaltenbrunner (Datum).
Moderation: Prof. Werner Mück

FFI-Foren

Neue Termine für FFI-Foren finden Sie unter der Rubrik
FFI-Forum.

FFI-Forum: „Klarnamenpflicht“

29.04.2019, 18.30, Managementclub, Kärntner Str. 8, 1010 Wien

Mit offenem Visier kämpfen – wollen wir die Klarnamenpflicht?

Diskussionen im Internet werden oft beleidigend und provozieren mit
persönlichen Angriffen, anstatt sachlich Argumente auszutauschen.
Die Öffentlichkeit ist zunehmend polarisiert und immer mehr Menschen
wenden sich angeekelt von den Foren-Schmutzschleudern und gewerbsmäßigen
Trollen ab. Die Bundesregierung plant daher die Einführung
einer Klarnamenpflicht in Österreich, um die Persönlichkeitsrechte der
Bürger auch im digitalen Datenmeer vor Verleumdungen zu schützen.
Für diese Regulierungsüberlegungen gibt es gute Argumente, aber auch
einiges, was dagegen spricht. Das Funder Institut diskutiert daher mit
namhaften Experten, wie die Meinungsfreiheit im Zeitalter von Social
Media, Foren und Medien-Bots am besten gewährleistet bleiben kann?

Panel:

Mag. Gerlinde Hinterleitner , Der Standard
Christian W. Mucha, Herausgeber Extradienst
Mag. Anna-Maria Wallner, Die Presse
Mag. Gerald Fleischmann, Bundeskanzleramt

Moderaton:

Mag. Eva Weissenberger, WKO Leitung des Data & Media Centers



Termine 2018:

Buchpräsentation: „Der Bürgerkrieg der Worte“

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Wann: Montag,14. Mai 2018, 18.00 Uhr

Wo:Management Club, Kärntner Straße 8, 1010 Wien
(Eingang gegenüber der Loos Bar)

Österreichs Geschichte ist geprägt von zwei Kulturen, die um die Zukunft des Landes kämpfen.
Für eine kurze Zeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schien der lange Kampf um Österreichs
Identität doch noch ein glückliches Ende zufinden. Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht.
Der Streit um Österreich ist längst zurück auf der politischen Tagesordnung.
Die Zuversicht der Nachkriegszeit war nur eine Atempause. Zu ihrem hundertsten Jahrestag
streitet die Republik wieder um die Werte und Identitäten, die dieses Land ausmachen.

Buchautor Walter Hämmerle erzählt in seinem Buch „Der neue Kampf um Österreich:
Die Geschichte einer Spaltung und wie sie das Land prägt.“ (edition a) die Geschichte einer Identitätssuche.

Der Zeithistoriker Dozent Helmut Wohnout, Karl von Vogelsang Institut, im Gespräch mit
Autor Dr. Walter Hämmerle, Chefredakteur der Wiener Zeitung.

Die Teilnahme am FFI-Forum ist kostenlos.

Anmeldung & Information unter:
saskia.dragosits@ffi.at
Telefon: +43 1 813 42 92 – 39



Im Zweifelsfall ohne Journalisten?

Freies Spiel der Kräfte in einer redaktionellen Gesellschaft ohne Verkehrsregeln

Wann: 9.April 2018, 18:00 Uhr

Wo: IV, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien, Ludwig Urban/Spiegelsaal

Wer braucht noch Journalisten? Werden sie ausgehebelt durch neue Technologien und
neue Nachrichtenkanäle? Unter Druck gesetzt durch neue Strategien politischer Kommunikation?
Ist die Zeit der Volksaufklärer und Volksbildner abgelaufen, dafür heute jeder ein Journalist?
Geraten wir in eine redaktionelle Gesellschaft (© Pörksen) ständiger Kommunikation, der es an
Verkehrsregeln mangelt? Oder ist der Journalismus mehr denn je gefordert, eine Informations-
und Orientierungsleistung für Staat und Gesellschaft zu erbringen?
Worin liegen dann Qualitäten und Qualifikationen des Journalismus? Und wer soll das bezahlen?

Podium:

Elisabeth Totzauer, ORF

Johannes Huber, Substanz

Thomas Götz, Kleine Zeitung

Gerald Fleischmann, Bundeskanzleramt

Moderation: Claus Reitan





FFI-Forum: Wie geht’s weiter nach den Landtagswahlen?
Veranstaltungsbericht (12.10.2010)

Kittner: Weckruf zur richtigen Zeit

Beim Friedrich Funder Institut-Forum (FFI-Forum) „Wie geht’s weiter nach den Landtagswahlen?“
im Forum Mozartplatz diskutierten die Kurier-Journalistin Daniela Kittner mit dem Meinungsforscher
Rudolf Bretschneider unter der Moderation von ORF-Journalist Gerhard Jelinek die bundespolitischen
Konsequenzen der Landtagswahlen in Wien und der Steiermark.

SPÖ droht Außenbezirke zu verlieren

Daniela Kittner, Ressortleiterin Innenpolitik der Tageszeitung Kurier, sieht im Wiener Wahlergebnis
eine interessante Entwicklung. Das Wahlverhalten der Bewohner innerhalb des Gürtels und den
Außenbezirken wie etwa Simmering und Floridsdorf drifte immer mehr auseinander. Die SPÖ
laufe Gefahr, die Flächenbezirke nachhaltig an die Freiheitlichen zu verlieren. Die ÖVP haben
den Fehler begangen, sich nicht um lokale Themen zu kümmern. Außerdem habe die Wahlkampfleitung
dem Wähler keine Argumente gebracht, warum man ÖVP wählen solle. Slogans wie „frischer Wind“,
„schwarzer Pfeffer“ oder ein „Geilomat“ sind keine politischen Inhalte.

Falsche Positionierung von Spitzenkandidatin Marek

Weiters habe es einen Widerspruch zwischen Kandidatin und Themensetzung gegeben.
Eine sympathische und liberale Staatssekretärin mit einer ausgewiesenen Expertise im Bereich
der Familienpolitik in eine „Recht und Ordnung“-Politikerin, die Zwangsarbeit fordert, zu verwandeln,
müsse zwangsläufig scheitern. Daraus aber die These zu entwickeln, wie es viele Leitartikler nach
der Wahl getan hätten, dass die ÖVP in den Städten nicht gewinnen könne, sei grundfalsch:
Michael Strugl in Oberösterreich und Siegfried Nagl in Graz hätten gezeigt, wie bürgerliche Politik
in Städten erfolgreich sein könne: dort habe man sich für Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
Kindergartenplätze und den Ausbau von Ganztagsschulplätzen eingesetzt und dem Bürger
so vermittelt, dass man seinen Alltagssorgen kennt und ernstnimmt.

Wahlergebnis ohne Auswirkungen auf Bundespolitik

Kittner geht davon aus, dass das Wahlergebnis keine großen Auswirkungen auf den Bund haben wird:
„Ich hoffe sogar, dass die Ergebnisse in Wien und der Steiermark ein Weckruf für die Bundesregierung
sind. Jetzt sollte die Regierung mit einem soliden Budgetentwurf Vertrauen beim Bürger schaffen.“
Auch in Wien werde sich nicht viel ändern. Bürgermeister Häupl werde in Koalitionsverhandlungen
mit der ÖVP und den Grünen treten und sich dann wegen der besseren ökonomischen Expertise
der Volkspartei und den guten Kontakten der Stadt Wien zur Wirtschaftskammer aus Amtsräson
für eine Zusammenarbeit mit der ÖVP entscheiden.

Schwächen bei der Wahlanalyse

Rudolf Bretschneider appellierte ans Publikum, dass die Wähler nicht immer und blind allen
Wahlanalysen vertrauen sollten. So fanden sich in der Nachwahlberichterstattung zahlreiche
Rechenfehler. Laut der Tageszeitung „Die Presse“ haben etwa 20 Prozent der Wienerinnen
und Wiener mit Migrationshintergrund und 26 Prozent der Wähler ohne Migrationshintergrund
die FPÖ gewählt. Wie die FPÖ unter diesen Umständen auf ein Wahlergebnis von 27 Prozent
kommt, ist nicht nur Bretschneider ein Rätsel. Schlampereien wie diese zeigen für Bretschneider,
dass auch Zahlen von Wahlanalysen nicht immer erhellend sein müssen. Abschließend bemängelte
der Meinungsforscher, dass es die Oppositionsparteien ÖVP und Grüne verabsäumt hätten,
kommunalpolitische Themen anzusprechen. Für Wien selber wünscht sich Bretschneider einen Abbau
der überbordenden Verwaltung.

Ein Bildprotokoll zur Veranstaltung finden Sie unter flickr

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BU: (v.l.n.r) Rudolf Bretschneider, Meinungsforscher, Heidi Glück, Vizepräsidentin des Friedrich Funder Instituts ,
Daniela Kittner, Kurier und Gerhard Jelinek, ORF, diskutierten die Auswirkungen der Wiener Wahl
für die Bundespolitik.

FFI-Forum: Was dürfen Medien?
Veranstaltungsbericht (03.05.2010)

Am 3. Mai 2010 veranstaltete das „Friedrich Funder Institut“ im Radio Café des Funkhauses ein
FFI Forum zum Thema „Was dürfen Medien?“.

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Die Medienexperten Christoph Kotanko, Gottfried Korn, Moderatorin Martina Salomon, Hermann Petz
und Sylvia Wörgetter diskutierten Grenzen der Pressefreiheit.

Die Massenmedien als vierte Gewalt im demokratischen Staat genießen besondere Freiheiten.
Aber auch Meinungs- und Pressefreiheit sind nicht schrankenlos, sondern unterliegen gesetzlichen,
professionellen und ethischen Normen. Diese Normen werden immer wieder verletzt, weshalb sich eine
prominente Expertenrunde über die Grenzen der Medienfreiheit austauschte.

Konstruierte Wirklichkeiten

Kurier Chefredakteur Christoph Kotanko nahm die Medien und die Journalisten selbst in die Pflicht
und meinte, Medien tragen Verantwortung für die von ihnen inszenierte Wirklichkeit. Als Beispiel nannte
er die gegenwärtige Griechenlandkrise. Es gebe leider immer wieder Kollegen, die für ein gutes
Demonstrationsbild bezahlte Komparsen engagieren. Dass stelle eine klare Grenzüberschreitung
journalistischer Kompetenz dar und führe zu konstruierten Wirklichkeiten, die den Bürger misstrauisch
machen: „Leider gibt es ja bei vielen Lesern mittlerweile den latenten Verdacht, dass alles inszeniert sei.“ Aufgabe eines seriösen Journalismus sei aber darzustellen, zu berichten und zu dokumentieren,
aber nicht zu inszenieren und künstliche Wirklichkeiten zu konstruieren.

Anliegen der Bevölkerung vertreten

Hermann Petz, Vorstand der Moser Holding, sieht für sein Unternehmen klare Richtlinien: „Jede Geschichte,
die wir in unseren Zeitungen bringen, muss wahr sein, anständig und redlich. Die Moser Holding sehe sich
als Vertreter der Anliegen der Bevölkerung und gebe diese authentisch wieder.“ Der Leser reagiere mittlerweile
sensibel auf „Verhaberungen“. Redlicher Journalismus bringe dem Konzern langfristig mehr als kurzfristige
Sensationen, so die Überzeugung des erfolgreichen Medienmanagers.

Persönlichkeitsrechte der Bürger schützen

Der Medienanwalt Gottfried Korn monierte, dass die heutige Zeit und die modernen Massenmedien von
Tabubrüchen leben. Es sei traurige Realität, dass Persönlichkeitsrechte von Bürgern täglich mit Füßen
getreten werden. Das erschreckende an diesen Befund sei für ihn, dass dieser längst nicht nur mehr
für den Bereich der Boulevardmedien gelte. Daher mahne er als Anwalt Respekt vor den
Persönlichkeitsrechten des einzelnen Bürgers ein.

Sorgfaltspflicht versus Informationspflicht

Die Journalistin Sylvia Wörgetter, Chefin vom Dienst der Salzburger Nachrichten, sieht die
Journalisten auch in einem Interessenkonflikt. Schließlich entspreche die Pflicht zur Information
nicht der Pflicht zur Sorgfalt bei schutzwürdigen Inhalten. Diesen Spagat müsse Qualitätsjournalismus
aber schaffen, wenn er langfristig seine Legitimation nicht verlieren wolle, so Wörgetter abschließend.

Anmerkung: Tonbandprotokoll (33 MB) der Veranstaltung: ffi_forum_03052010.mp3

Ein Bildprotokoll zur Veranstaltung finden Sie unter flickr

Pressestimmen zur Veranstaltung finden Sie unter den unten angeführten Links:
Medienmanager
APA
TirolerTageszeitung

Einladungstext

Als vierte Gewalt im demokratischen Staat genießen Medien besondere Freiheiten. Die wertvollen
Güter der Meinungs- und Pressefreiheit unterstützen die freie Meinungsbildung der Bürger. Pressefreiheit
bedeutet, dass Ausrichtung, Inhalt und Form des Presseerzeugnisses frei bestimmt werden, dass Informanten
geschützt werden und das Redaktionsgeheimnis gewahrt bleibt. Aber auch Meinungs- und Pressefreiheit sind
nicht schrankenlos, sondern unterliegen gesetzlichen, professionellen und ethischen Normen.
Wo aber liegen die Grenzen, Widersprüche und Unschärfen dieser Normen?

Dr. Martina Salomon (Die Presse) im Gespräch mit Mag. Hermann Petz (Vorstand Moser Holding),
Dr. Christoph Kotanko, Sylvia Wörgetter (CVD Salzburger Nachrichten) und Dr. Gottfried Korn (Medienanwalt).

Deutschland nach der Wahl – Veranstaltungsbericht

Zeit: Mittwoch, 30. September 2009, 19:30 Uhr
Ort: Politische Akademie, Tivoligasse 73, 1120 Wien

Podium:

Beate Merk, Bayrische Justizministerin, CSU
Ralf Thomas Baus, Leiter Innenpolitk, Konrad Adenauer
Stiftung in Berlin
Karlheinz Kopf, Klubobmann der ÖVP
im Gespräch mit
Werner Mück, Präsident des Friedrich Funder Instituts


Bürgerliche Wende in Deutschland

Deutschland will und braucht eine bürgerliche Wende. Für die wirtschaftliche Gesundung nach der
Wirtschaftskrise ist eine schwarz-gelbe Koalition das Beste, was Deutschland passieren konnte,
so der Tenor des FFI-Forums mit Klubobmann Karlheinz Kopf und der Bayrischen Justizministerin Beate Merk.

„Das Verständnis, dass nur große Koalitionen etwas Großes bewegen können, ist schlichtweg falsch.
Gerade kleine Koalitionen schaffen nachhaltige Reformen. Eine von Stabilität geprägte bürgerliche
Mehrheit in Deutschland ist daher ein Signal an die übrigen europäischen Länder“, meinte
Klubobmann Kopf. Bisher bremsten bei wirtschaftlichen Umgestaltungen in Deutschland immer
die Sozialdemokraten. Mit einer wirtschaftsliberalen Partei wie der FDP in der Regierung können
längst überfällige Reformen beschlossen werden, um Deutschland wieder auf die Überholspur zu
bringen. Ein halbes Prozent Wirtschaftswachstum bringe immerhin drei Milliarden Euro, was soviel
wie eine Verwaltungsreform in Österreich bringe. Die wirtschaftliche Gesundung Deutschlands sei
auch im vitalen Interesse Österreichs, das Deutschland nach wie vor der wichtigste Handelspartner
Österreichs sein.

Beate Merk, bayrische Justizministerin, betonte, die wesentliche Ziele der neuen bürgerlichen Regierung
wären einfach verständliche Steuergesetze, Steuererleichterungen und Steuersenkungen sowie eine
Ankurbelung der Wirtschaft. Außerdem brauche Deutschland einen Mentalitätswandel. „Es kann nicht
mehr länger sein, dass wir in Deutschland mit dem Finger auf Leute zeigen, die junge Menschen ausbilden
und Arbeitsplätze schaffen. Leistung muss wieder ein Kernwert Deutschlands werden, so Beate Kopf.

Sozialdemokratie in der Sinnkrise

Die Bundestagswahlen in Deutschland haben gezeigt, dass die Zeiten für beide Volksparteien härter
werden. Wahlerfolge jenseits der 50 Prozent-Marke sind wegen der gesellschaftlichen Heterogenität
heute kaum mehr erreichbar. Dennoch trifft der Wandel im Wahlverhalten die Sozialdemokraten
deutlicher als die Christdemokraten. „Das Dilemma der früheren Arbeiterpartei SPD ist, dass sie
nicht mehr weiß, wofür sie steht und welche Wähler sie vertreten soll“, so Merk. Ralf Güldenzopf
von der Konrad Adenauer Stiftung präzisierte: „Facharbeiter sowie Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen
haben mehrheitlich CDU/CSU gewählt. Die Christdemokratie vertritt heute die Interessen der arbeitenden
Bevölkerung, während sich die Linke vor allem auf Empfänger von Transferleistungen als Stammwähler konzentriert“, so Güldenzopf. Für die Christdemokratie sei es notwendig, diese neuen Wählersegmente
optimal zu betreuen und sie mittelfristig zu Stammwählern zu machen.